"Denn menschliche Arbeits­kraft kann niemals irgendwelche Vergleiche, irgendwelche Preisver­gleiche mit Waren eingehen. Sie ist etwas prinzipiell Verschiedenes von den Waren. Es ist also eine Lebenslüge, wenn dasjenige, was nie Ware werden kann, dennoch zur Ware gemacht wird. Wenn das auch nicht in dieser deutlichen Weise ausgesprochen wird, so ist es aber doch etwas, was empfunden wird als, ich möchte sagen, der Mittelpunkt der proletarischen Frage der neueren Zeit. Dadurch, daß die menschliche Arbeitskraft zur Ware geworden ist, ist ein Rechtsverhältnis, wie es zwischen dem Unternehmer und dem Ar­beiter über das Arbeiten bestehen sollte, zu einem Kaufverhältnis geworden. Und moderne bürgerliche Nationalökonomen reden in der Tat so, als ob man innerhalb des Wirtschaftslebens auf der einen Seite Ware gegen Ware, auf der anderen Seite Ware gegen Arbeit austauschen könne.
Dadurch, daß ein sogenannter Arbeitsvertrag existiert im moder­nen Sinne des Wortes, dadurch wird die Sache nicht anders; denn über das Verhältnis zwischen Unternehmer und Arbeiter kann nur ein Rechtsvertrag geschlossen werden in dem Sinne, wie wir das spä­ter sehen werden. Befreit könnte die menschliche Arbeitskraft von dem Warencharakter nur werden - und sie muß befreit werden -, wenn der einzige Vertrag, der möglich wäre zwischen dem Arbeit­nehmer und dem Arbeitgeber nicht der über die geleistete Arbeit, sondern der über die dem gesunden Organismus in richtigem Sinne dienende Verteilung der gemeinsam produzierten Waren oder Lei­stungen wäre."

 

Rudolf Steiner GA 329 S. 60